Meeresrauschen

" Ohhh ich hab' solche Sehnsucht, ich verliere den Verstand!

Ich will wieder an die Nordsee, ohoho
ich will zurück nach Westerland!" - Die Ärzte

 

 

Wie jedes Jahr hat es uns wieder auf Deutschlands schönste Insel gezogen. Auch unsere Kameras waren selbstverständlich mit von der Partie und wir haben eine Vielzahl schöner Bilder sammeln können.

 


Am ersten Tag haben wir uns direkt auf die Sattel geschwungen und sind südlich nach Rantum geradelt. Auf dem Weg dorthin sind wir in eine Art Mückenschwarm geraten. Wir konnten kaum 5m vorwärts sehen, so viele waren es. Sie sind uns  Nicht sonderlich appetitlich, aber im Nachhinein betrachtet doch ziemlich lustig. 


Kommt man aus Richtung Westerland nach Rantum, lohnt es sich kurz nach dem Ortsschild links abzubiegen. Fast ein wenig versteckt, findet man dann kleine Hinweistafeln, die einen zum Rantumer Hafen lotsen. Hier gibt es immer eine Menge zu entdecken und obwohl einige Menschen unterwegs waren, ist man für sich und kann die Weite der Landschaft und die Stille der Natur genießen.


Wer gerne fotografiert, sollte immer wieder neue Perspektiven ausprobieren. Auch wenn das manchmal bedeutet, sich bei klirrender Kälte auf den nassen Boden zu legen oder bei 40° im Schatten auf einen Baum zu klettern. Für das richtige Motiv muss man manchmal ein wenig leiden. Der Betrachter eines Fotos sieht immer nur das Resultat - nicht was man dafür ertragen musste. Es ist natürlich schade, aber gleichermaßen wächst ein Bild seinem Ersteller noch mehr ans Herz, wenn er sich daran erinnert, was er für Strapazen auf sich genommen hat, um es aufzunehmen.

 

Hier in Rantum mussten wir nicht besonders viel für unsere Fotos leiden. Ich habe mich lediglich durch Schafsköttel gewälzt, bin beim Versuch einer Kröte mit der Linse zu folgen, einen Abhang runtergestürzt (keine Sorge, alles unverletzt überstanden) und wurde anschließend noch von einem Schaf in die Flucht geschlagen. Trotzdem denke ich gerne zurück, an die Momente wo wir oben auf der kleinen Klippe gesessen haben, mehrere Krebsfamilien entdeckt haben und weit weg von zuhause, den ganzen Stress hinter uns lassen konnten.

 

Wir vermuten immer noch das hier am Hafen ein kleines Haus gestanden haben muss, das von den Fluten vor langer Zeit mal weggerissen wurde. Läuft man auf der Anhöhe entlang, kann man noch Überreste eines Schornsteins finden und viele zerbrochene Mauerteile. Dazwischen lassen sich immer wieder Kaninchen oder andere Kleintiere finden. Nicht nur für Fotografen ein Abenteuer!




Das Foto auf der rechten Seite wirkt fast schon entspannt. In Wirklichkeit habe ich unterschätzt, wie schwierig es sein kann ein Foto mit Selbstauslöser im Watt aufzunehmen. Da ich immer noch keine drahtlose Fernbedienung für Rodney habe, musste ich den Knopf manuell drücken. Ab diesem Augenblick hat man zehn Sekunden um an die Stelle zu gelangen, auf die man bereits fokussiert hat. Wie unfassbar kurz zehn Sekunden sein können, habe ich in dem Moment festgestellt, als ich gelernt habe wie rutschig die Kombination von Watt und Moos sein kann. Vermutlich acht Anläufe hat es mich gekostet, bis ich überhaupt in der vorgegebenen Zeit an der Markierung stand. Die weiteren Versuche haben dann noch einen Sturz beinhaltet, den die Zuschauer auf der Anhöher mit lautem Beifall quittiert haben. Egal. Das Selfie war im Kasten!


Schafe haben schon immer zu meinem Lieblingstieren gezählt. Die Laute, die sie von sich geben und ihre ganze Form sind einfach wunderbar. Sie sehen aus wie kleine Wattekugeln auf Zahnstochern, nur in zwanzigmal so groß. Mit vier oder fünf Jahren durfte ich sogar mal Pflegemama für Schaf "Antje" sein und ein paar Jahre später haben meine beste Freundin und ich für eine Woche die Schafe auf einem Bauernhof betreuen dürfen. Hachja. Die goldene Zeit - etwas getrübt wurde meine Stimmung nur dadurch, dass eines der Schafe mein Stativ auf einmal als Feind ausmachte und nicht mehr so gelassen drauf war, wie der Rest. Da hieß es dann, der ganzen Nostalgie und Tierliebe zum trotz - nichts wie weg!


 

Sonnenunter- oder aufgänge haben immer etwas mystisches an sich. Hier geht sie unter, dort geht sie auf. In solchen Momenten merkt man wieder, dass der Mensch nicht alle Fäden in der Hand hält. Und wenn sich der Himmel dann noch verfärbt und Mutter Natur ihr "Farbenspiel des Winds" zum besten gibt, kann mir keiner sagen, dass ihn das kalt lassen würde.

 

Aus Fotografensicht sind solche Momente doppelt so schön. Man befindet sich nicht nur vor einer malerischen Kulisse - nein, man hat auch noch die Werkzeuge und im bestenfall das technische Wissen und künstlerische Auge, um es gebührend festzuhalten.





“The heart of man is very much like the sea, it has its storms, it has its tides and in its depths it has its pearls too” - Vincent Van Gogh

 

Ich muss einmal im Jahr das Meer sehen, sonst werde ich verrückt. Die Weite des Wassers bringt einen immer wieder auf den Boden der Tatsachen und man besinnt sich auf das Wesentliche.

 

Für mich gibt es nichts Schöneres, als an einem kühlen Tag an der Nordsee zu sitzen, mit einem heißen Tee und einem guten Buch und das Rauschen der Wellen in den Ohren zu haben, während man in einer fremden Welt versinkt.



Wer nach Sylt fährt, dem kann ich nur empfehlen auch mal abseits der Orte durch die Landschaften zu streifen. Die Insel hat so vieles zu bieten und während sich in den Ortschaften die Leute fast stapeln, hat man in einigen Abschnitten das Gefühl komplett alleine auf der Welt zu sein. Bei etwas kühlerem Wetter habe ich mich alleine aufs Rad geschwungen und diesen Weg durch die Dünen zum Meer gefunden. Er ist keine 15 Radelminuten von Westerland entfernt und trotzdem hat sich an diesem Tag keiner hierhin verirrt.

Rodney und ich haben die ungewohnte Stille jedoch genossen und sind erst nach einigen Stunden zurückgefahren. Mit im Gepäck war eine volle Speicherkarte, auf der etwa 200 Mal diese Treppen aus 200 unterschiedlichen Winkeln festgehalten waren. Gott sei Dank leben wir im digitalen Zeitalter!

 

 

Wie weiter oben schon erwähnt, müssen für viele Fotos oft Opfer gebracht werden. Das kann auch darin bestehen, noch einmal das warme Hotelzimmer zu verlassen, nachdem man es sich bereits mit Laptop und Tee im Bett bequem gemacht hat und man schon im Pyjama-Modus ist. 

Vor allem im September ist es wenig einladend und der eiskalte Wind der uns vor der Haustür begrüßt hat, hätte unser Vorhaben fast wieder in Luft aufgelöst. Doch wir haben tapfer durchgehalten und haben uns fast noch eine Stunde am tiefschwarzen Strand sämtliche Gliedmaßen abgefroren.



An unserem letzten Tag hat es uns dann zur Südspitze der Insel gezogen, nach Hörnum. Diesmal sind wir allerdings nicht todesmutig mit dem Fahrrad losgefahren (wie vor einigen Jahren, als uns die Windböen alle zwanzig Meter vom Rad gewirbelt haben), sondern haben uns wieder gemütlich mit dem Bus chauffieren lassen. Da der Abschied vom Meer so kurz bevorstand und wir noch gar keine Ich-war-im-Wasser-schau-her-Fotos gemacht haben, beschlossen wir das nun nachzuholen. Wir hatten keine Badesachen dabei, aber ganz egal: Wenn das Wasser nach einem verlangt, dann folgt man dem Ruf! Also auf ins kühle (sehr, sehr kühle!) Nass und losgetanzt.  Hinterher hab ich dann aber doch ganz schön gefroren..Brr..aber egal, das war es wert!

 

Jetzt sind alle Fotos im Kasten, jetzt geht es wieder heim. Bis nächstes Jahr, geliebte Insel!